Aktuelles

Liebe Leser,

auf dieser Seite werden Themen aus der Gesundheitspolitik aus dem Jahr 2013, die Arzt und/oder Patienten
betreffen, objektiver, differenzierter und zusammenhängender dargestellt.

In OWL fehlen 102 Hausärzte

Obwohl seit Jahren von Seiten der Ärzteschaft immer darauf hingewiesen und gewarnt wurde, ist es nun in den Medien angekommen.
Nach dem Zeitungsbericht des Westfalenblattes fehlen in OWL 102 Hausärzte und ca. 550 Klinikärzte. Nach einer Umfrage des Hartmannbundes im Mai 2012 findet nur noch jeder zweite Medizinstudierende den Arztberuf als attraktiv. Hausarztentwicklung Im Jahr 2008 sind laut Bundesärztekammer 3065 in Deutschland ursprünglich tätige Ärzte ins Ausland abgewandert. Bei Absolventenzahlen von ungefähr 10.000-12.000 neuen Approbierten pro Jahr ist diese Zahl buchstäblich der Dolchstoß für das Gesundheitssystem, was auch durch Zuwanderung nur schwer ausgeglichen werden kann.
40 % aller Studienabgänger gehen heute nicht in Krankenhaus oder Praxis, sondern wandern in andere Berufszweige ab. Die restlichen Mediziner schlagen trotz des von Jahr zu Jahr zunehmenden Hausarztmangels immer weniger die Laufbahn des Allgemeinmediziners ein. Sie entscheiden sich für eine Spezialisierung (Orthopäde, Kardiologe,...), wie man an der Abbildung links erkennt.

Auch unter den alten Hasen ist es nicht anders. Laut einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach in 2009 empfinden 47% der praktizierenden Ärzte den eigenen Beruf längst nicht mehr für besonders anziehend. Insgesamt führt die nachlassende Attraktivität dazu, dass mehr als jeder zweite Arzt (55 Prozent) einem jungen Mediziner heute eher davon abraten würde, sich als Arzt niederzulassen. Vor allem bei den Hausärzten sind solche Überlegungen verbreitet. Ein Drittel der Hausärzte denkt zurzeit nach eigener Auskunft ernsthaft darüber nach, seine Praxis zu schließen. Erwartungsgemäß beschäftigen sich ältere Ärzte häufiger mit solchen Erwägungen als ihre jüngeren Kollegen. 37 Prozent der Ärzte im Alter von 55 Jahren und mehr ziehen aktuell eine Schließung ihrer Praxis in Betracht.

Warum entscheiden sich angehende Ärzte für eine Organ-Spezialisierung ?

Im Laufe der Medizinerausbildung nimmt der Wunsch der Hausarzttätigkeit zugunsten einer organspezialisierten Facharztausbildung mit zunehmendem Weiterbildungsgrad ab. Dies liegt an vielen Nachteilen, die der Hausarzt gegenüber einem niedergelassenen spezialisierten Arzt hat:

  • Sehr breites, auch nichtmedizinisches Aufgabengebiet
    • Während sich der niedergelassene Spezialist nur auf einige wenige Erkrankungen konzentrieren brauch, muss der Hausarzt ein breites Aufgabenspektrum erfüllen. Er sollte die Basis in Diagnostik und Therapie der häufigsten Erkrankungen aus allen Fachgebieten beherrschen.
    • Viele diagnostische Möglichkeiten, die auch den Spass an der Arbeit ausmachen, wurden ihm, unabhängig von seiner individuellen Qualifikation, genommen (z.B. Rö-Diagnostik, Endoskopie, Allergietestungen) und sind nur noch dem Spezialisten vorbehalten.
    • Viele nichtmedizinische, teils auch unliebsame Aufgaben, wie Anfragen wegen Schwerbeschädigungen, Sozielgerichtsverfahren, Heil- und Hilfmittel oder Kur- und Rentenanträge hat er zu beantworten. Alles, für das Spezialisten nicht zuständig sind, bleibt eben am Hausarzt hängen.
  • Mehr Reglementierung, Bürokratisierung, Regressandrohungen
    • Dort, wo das meiste Geld ausgegeben wird, sind natürlich auch viele Regeln zur Kostendämpfung. Da der Hausarzt am häufigsten Medikamente, Heil- und Hilsmittel verordnet, ist er auch stärker von der "Regelungswut" von Gesetzgeber und Krankenkassen betroffen. Gibt gibt er zu viel Krankenkassengeld aus, muss er persönlich dafür haften.
  • Höhere Arbeitszeit bei geringerem Honorar als der spezialisierte Arzt
  • Umständlicher Ausbildungsgang
    • Während der 5-jährigen Weiterbildungszeit muß der angehende Allgemeinmediziner mehrfach die Stellen wechseln, um in verschiedenen Fachdisziplinen Erfahrungen zu sammeln. In Vergleich zum spezialisierten Arzt, der im Rahmen seiner 5-6 jährigen Weiterbildung nur 1-2 mal die Stelle (meist innerhalb des gleichen Krankenhauses) wechseln muss, ist dies deutlich aufwendiger. Hier ein interessanter Link von Betroffenen.

Warum entscheiden sich immer mehr Ärzte gegen eine kurative Tätigkeit ?

Die Umfrage unter Ärzten im MLP Gesundheitsreport 2013 zeigt noch einmal die Kernpunkte:

Gründe für Ärztemangel

Wie sollte man dem Ärztemangel entgegenwirken ?

Als Problemlösung wird gerne die Erhöhung der Anzahl der Studienplätze für Medizin, vielleicht sogar eine eigene Fakultät an der Uni Bielefeld diskutiert. Auch der Numerus clausus könne gesenkt werden, um mehr Studenten zu Ärzten auszubilden.

  • Die BRD bietet etwa 10.000 Studienplätze an und liegt damit im Vergleich zu anderen Ländern bezüglich der Bevölkerungszahl über dem Schnitt. Eine medizinische Fakultät wäre für den Wirtschaftsstandort Bielefeld ein Gewinn, würde aber den sich anbahnenden Ärztemangel in der Region auch nicht beheben, da nicht an den Ursachen angegriffen wird.
  • Der NC ist natürlich kein Garant dafür, das aus einem Abiturienten ein guter Arzt wird. Aber sicherlich kann man das Medizinstudium als eines der anspruchsvollesten Studiengänge ansehen. Selbst gute Schüler können mit der Art des Lernstoffes, der schieren Masse an geballtem Wissen und der Forderung nach abstrakt-logischem Denken überfordert sein.

Nein. Die Arbeitsbedingungen müssen für Ärzte im Allgemeinen wieder attraktiver werden, um einer Abwanderung in fachfremde Disziplinen oder ins Ausland vorzubeugen. Viele ärztliche Berufsverbände haben hierzu Forderungen aufgestellt:

  • Wiederherstellung der Freiberuflichkeit und Autonomie
    • Durch die Ökonomisierung des Gesundheitswesens, den steigenden Einfluss von Krankenkassen, Gesundheitsökonomen sowie Krankenhaus- und Gesundheitskonzernen auf die Versorgung, aber auch durch die zunehmenden Eingriffe der Politik verliert die ärztliche Freiberuflichkeit seit Jahren schleichend an Wertschätzung. "Man fühlt sich manchmal als Staatsangestellter unter dem Deckmäntelchen der Freiberuflichkeit und als Erfüllungsgehilfe der Krankenkassen" durch zunehmende Regelementierung und Bürokratisierung. Die Ärzteschaft muss daher ihre Autonomie wieder zurückgewinnen und dadurch auch das Vertrauen zu den Patienten stärken. Zu dieser Autonomie gehören die Freiheit der Niederlassung, die Therapiefreiheit und Diagnostikfreiheit, die Freiheit, die Sprech- und Behandlungszeiten frei zu gestalten.
  • Honorarreform
    • Feste, betriebswirtschaftlieh kalkulierte Preise für ärztliche Leistungen und damit Abschaffung des bestehenden Flatrate-Tarifes. Die von Krankenkassen oder der Politik für notwendig erachtete Mengenbegrenzungen müssen zwischen Krankenkassen und Ärzten verhandelt werden. Diese Mengenbegrenzungen müssen aber die Krankenkassen gegenüber ihren Versicherten rechtfertigen. Die Verantwortung für Rationierung oder Leistungseinschränkungen dürfen nicht in den Praxen abgeladen werden.
      Die zukünfige Leistungsentwicklung bei zunehmender Alterung der Bevölkerung (Morbiditätslast) müssen die Krankenkassen tragen.
  • Anerkennung durch ehrliche Öffentlichkeitsarbeit
    • Regelmäßig werden von Krankenkassen, meist zeitgenau vor Honorarverhandlungen oder Ärztetagen Pauschalvorwürfe erhoben. Die Ärzteschaft wird wechselweise als Abzocker, Pfuscher oder Betrüger dargestellt und die Kassen versuchen dies durch schlecht gemachte Auftraggutachten zu belegen.

Aufgrund des hohen Altersdurchschnittes der niedergelassenenen Ärzte (ca. ~52 Jahre) werden in den nächsten 10 Jahren etwa 50 % der Vertragsärzte ihre Praxis aufgegeben haben.
Es ist an der Zeit, das unsere Politiker die Anliegen der Ärzte ernst nehmen, damit junge Ärzte motiviert sind, die ambulante hausärztliche Versorgung der Bevölkerung zu übernehmen. Dies wird es sicher nicht zum Nulltarif geben. Ändert sich nichts, wird es zu einem großen Engpaß in der ambulanten Versorgung mit zunehmender zwangsläufiger Priorisierung oder zu einer Verlagerung in den teuren stationären Sektor kommen.
Auch die Vielzahl der angeworbenen ausländischen Ärzte wird das Problem der sich abzeichnenden mangelnden ambulanten Versorgung nicht lösen.

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Überweisung trotz Wegfall der Praxisgebühr

Durch den Wegfall der Praxisgebühr zum 1. Januar 2013 sind einige Patienten verunsichert, ob sie weiterhin Überweisungen benötigen. Diese Verunsicherung rührt vor allem daher, dass seit der Einführung der Praxisgebühr viele Patienten die Überweisung zu einem weiteren Arzt ausschließlich als "Quittung" für die im aktuellen Quartal bereits entrichtete Praxisgebühr gesehen haben und dadurch der eigentliche Zweck des Überweisungsverfahrens in den Hintergrund getreten ist.
Das Überweisungs verfahren ist jedoch vom Wegfall der Praxisgebühr unberührt. Die bisherigen Regelungen des BundesmantelvertragsÄrzte (§ 24 BMV-Ä), wonach "der Vertragsarzt die Durchführung erforderlicher diagnostischer und therapeutischer Leistungen durch einen anderen Vertragsarzt mittels Überweisung auf dem vereinbarten Vordruck zu veranlassen" hat, gelten unverändert.

Warum ist es wichtig, dass Sie weiterhin nur mit einer Überweisung durch den Hausarzt einen anderen spezialisierten Facharzt aufsuchen?

  • Weil Hausärzte viele Gesundheitsstörungen schneller behandeln und ggf. eine Weiterbehandlung bei einem Spezialisten vorbereiten bzw. beschleunigen können.
  • Weil Hausärzte meist den am besten geeigneten Spezialisten für die geklagten Gesundheitsstörungen kennen und benennen können.
  • Weil Hausärzte ohne Überweisung meist keinen Behandlungsbericht des spezialisierten Facharztes erhalten.

Nur mit einem Behandlungsbericht:

  • erfahren wir überhaupt von Erkrankungen, die andere Ärzte bei Ihnen diagnostiziert haben.
  • können wir Sie zu von den Spezialisten empfohlenen Maßnahmen und Medikamenten beraten.
  • können wir im Zweifelsfall lebensgefährliche Wechselwirkungen dieser Medikamente mit den von uns verordneten Medikamenten berücksichtigen und können Ihre Therapie in ein ganzheitliches Konzept eingliedern.
  • können wir Atteste und Bescheinigungen für Berentung, Kuren und Rehabilitationen, Versorgungsamt, Arbeitsamt und vieles mehr sinnvoll und umfassend ausstellen.
  • können wir z.B. bei Krankenhauseinweisungen wichtige Befunde weitergeben und Doppeluntersuchungen vermeiden

Damit Ihnen durch den Wegfall der Praxisgebühr keine derartigen Nachteile entstehen, suchen Sie bitte weiter nur mit einer Überweisung einen Spezialisten auf!

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Krankenkassen stellen 53.000 Fälle von Betrug fest

Die gesetzlichen Krankenkassen haben im Januar einem Zeitungsbericht zufolge rund 53.000 Fälle von Fehlverhalten im Gesundheitswesen aufgelistet - vor allem bei Abrechnungen von Ärzten, Apothekern oder Krankenhäusern. Das häufigste Delikt ist demnach Abrechnungsbetrug. In etwa 2600 Fällen (4,9 %) sei die Staatsanwaltschaft eingeschaltet worden. Die Kassen hätten Schadenersatzforderungen von 41,4 Millionen Euro durchgesetzt.

Es kommt immer wieder vor, dass Ärzte durch Veröffentlichungen im Zusammenhang mit betrügerischen Abrechnungen und sonstigen medizinrechtlichen Straftaten in großem Stil in den Blickpunkt der Öffentlichkeit geraten. Zum Teil seien sogar Leistungen für bereits Verstorbene in Rechnung gestellt worden sein.
Es hat sehr häufig den Anschein, dass – teils durch ermittelnde Krankenkassen und teils durch die Bevölkerung – nahezu alle Mediziner oder aber alle Ärzte bestimmter Fachrichtungen „in einen Topf geworfen“ werden. Über der Ärzteschaft liegt dann so etwas wie ein Pauschalverdacht. Leider ist es oft so, dass die Ärzte wegen eines Betrugsvorwurfs am Pranger stehen, ohne dass die Ermittlungen und sich unter Umständen daran anschließenden Gerichtsverfahren abgeschlossen sind. Erst im Anschluss daran kann man allgemein beurteilen, welches Ausmaß der „Skandal“ tatsächlich hat.

Sollte sich jedoch der Betrugsvorwurf gegen einzelne Ärzte bestätigen, so müssen die Betroffenen mit strengsten Konsequenzen rechnen. So sieht zum Beispiel das Gesetz hierfür eine Geldstrafe sowie eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren, in besonders schweren Fällen gar bis zu zehn Jahren vor. Auch drohen die Entziehung von Zulassung und Approbation.

Zu dem oben genannten Zeitungsbericht sei erwähnt, das

  • es sich um unveröffentlichte und nicht geprüfte Zahlen der GKV und damit auch um deren Sichtweise handelt
  • es sich nicht nur um Ärzte, sondern alle Leistungserbringer (Ärzte, Apotheker, Sanitätshäuser, Therapeuten, Hebammen, Krankengymnasten, Pflegedienste oder Kliniken) im Gesundheitssystem handelt
  • es es sich bei dem Zahlenwerk um eine "Fall-Statistik" und keine "Täter-Statistik" handelt. Das Zusammenführen der Kennzahlen der einzelnen Kassen und Kassenverbände beim GKV-Spitzenverband habe zwangsläufig zu Mehrfachzählungen geführt.
  • es sich um eine Sammlung der Fälle über 2 Jahre handelt und somit durchschnittlich pro Jahr 1300 Fälle eindeutig zu staatsanwaltlichen Ermittlungen geführt hat. Bei ca. 450.000 Leistungserbringern im Gesundheitssystem sind dies 0,28 %.
  • bei 176.000 Millionen Euro Gesamtausgaben der GKV im Jahre 2011 ein Schaden von 20 Millionen (40 Mill. /2 Jahre) etwa 0,012 % der Gesamtausgaben entspricht

Für den Bereich der niedergelassenen Ärzte wäre anzumerken, dass nahezu sämtliche Leistungen budgetiert oder auf andere Art und Weise gedeckelt sind. Ein niedergelassener Arzt, der Abrechnungsbetrug begeht, schädigt also nicht die Krankenkasse oder die Solidargemeinschaft der Versicherten, sondern entweder sich selbst oder andere Ärzte, die dann für Ihre Leistung weniger erhalten. Dieses wichtige Detail, soll die Vorwürfe der GKV nicht schmälern, wird aber bei Debatten über Abrechnungsbetrug häufig vergessen.
Aus meiner ärztlichen Sicht ist, es skandalös, wenn Ärzte Ärzte betrügen und es sollte strikt verfolgt werden.

Es stellt sich aber die Frage:
Wenn die GKV durch niedergelassene Ärzte nicht geschädigt wird, warum stellt sie dann die Ärzte als Abrechnungsbetrüger so in den Vordergrund ?
Die niedergelassenen Ärzte bekommen seit Jahren 20-30 % ihrer abgerechneten Leistungen wegen Budgets nicht bezahlt - da klingt der öffentliche Vorwurf des Abrechnungsbetruges durch die GKV umso verhöhnender.

Ich habe den Eindruck es geht bei dem Bericht über Abrechnungbetrug weniger um Validität und Seriosität als um Stimmungsmache mit Pauschalverdächtigungen und Vorverurteilungen.

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Wenn sich ein Mangel an Ressourcen einstellt, existieren folgende Möglickeiten:
Zeitungsbericht
Hausarztentwicklung